Psychoanalytische Psychosentherapie (PPT) 2017

Fortbildung für ÄrztInnen (PSY-Diplom), Klinische PsychologInnen, PsychoanalytikerInnen (i.A.u.S.), PoP PsychotherapeutInnen ( i.A.u.S.), PsychotherapeutInnen anderer Schulen, Interessierte aller Berufsgruppen, die mit an Psychosen erkrankten Menschen arbeiten.

Termine: jeweils von 9.30 - 17.30 Uhr
14. Jänner 2017
1. April 2017
(Terminänderung, vorher 25. März 2017)
11. November 2017
2. und 3. Termin können nur gemeinsam gebucht werden

Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/3, 1010 Wien
Teinahmegebühr: pro Tag € 130.- / € 110.- für KandidatInnen WPV, WAP, TN POP
Anmeldefristen: 08.01.2017 (1. Termin), 10.03.2017 (2. und 3. Termin)
Anmeldung: Anmeldeformular


Programm 1. Veranstaltung - 14. Jänner 2017

9.30 Uhr: Begrüßung, Einführung:
Hemma Rössler-Schülein

9.45 - 11.00 Uhr: Psychose und (Psycho)sexualität
Der Wahn und die Halluzinationen Schizophrener drehen sich häufig um sexuelle Themen, beispielsweise in Leibhalluzinationen von Geschlechtsumwandlung, Kastration oder fantasierter Schwangerschaft. Wichtige theoretische Erklärungen finden sich in S. Freuds Beschreibung des Abzugs der als sexuell aufgefassten Libido von den äußeren Objekten. Sein Referenzpatient D.P. Schreber spricht von einer „Auffüllung seines Körpers mit weiblichen Wollustnerven“. J. Lacan bringt mit dem Konzept der Verwerfung der symbolischen Kastration Psychose und Sexualität in Verbindung. Auch M. Kleins Beschreibungen legen nahe, die exzessive Spaltung angesichts der Sehnsucht, mit der frühen Mutter zu verschmelzen, bei gleichzeitiger Todesangst, als Störung frühester Formen sexueller Entwicklung aufzufassen.
Referent: Rainer Danzinger, Primar, Univ Prof., Psychoanalytiker (WAP), Gruppenpsychoanalytiker, Wien

11.30 - 13.00 Uhr: Psychosentherapie im stationären und ambulanten Setting
Dieser Vortrag beleuchtet die unterschiedlichen Übertragung- und Gegenübertragungsphänomene in der Behandlung psychotischer Menschen im stationären und ambulanten Setting. Dabei spielen Übertragungen auf die Institution, Spaltungen und Integration von Gegenübertragungsprozessen in der Institution ebenso eine wesentliche Rolle wie der innere Rahmen des Analytikers. Fallvignetten illustrieren dieses häufig unbewusste Geschehen und die damit einhergehenden typischen Verstrickungen.
Referent: Rainer Gross, Primar, Psychoanalytiker (WPV), Wien

14.15 - 15.45 Uhr: „Trotz noch so langer Vermantschungen mit allem Möglichen“,
Überlegungen zur Transformation in der Psychoanalyse der Psychosen
Mit meinen Betrachtungen gehe ich Fragen der Transformierbarkeit festgefahrener Besetzungen und Identifizierungen psychotischer Strukturen nach. Wie verwandelt sich Unsymbolisiertes, im sinnlich körperlichen Verhaftetes, namenlose Ängste in Phantasien, Vorstellungen, Denk- und Erlebbares und schließlich in Sprache Gebrachtes? Die Bedeutung von Zuwarten, Verzögerung, Zwischenzeit, damit etwas mit-teilbar werden kann, und wie das Ureigenste „trotz noch so langer Vermantschungen mit allem Möglichen“ (Lou Andreas-Salomé) seine Bühne erhält, wird ausgeführt und zur Diskussion gestellt.
Referentin: Elisabeth Aebi Schneider, Ausbildungsanalytikerin SGPsa, Präsidentin Sigmund-Freud-Zentrum Bern

16.00 - 17.30 Uhr: Falldarstellungsgruppen mit den ReferentInnen
Sie haben die Möglichkeit, einen eigenen Fall zur Diskussion zu stellen,
bitte melden Sie sich diesbezüglich bei roessler-schuelein@wpv.at.


Programm 2. Veranstaltung - 1. April 2017

9.30 - 11.00 Uhr: Freuds Grundlagen für die Entwicklung zeitgenössischer Theorien der Psychose

Sigmund Freud stelle immer wieder grundlegende Überlegungen über die Psychogenese psychotischer Zustandsbilder an, entwickelte jedoch kein einheitliches systematisches Theoriegebäude. Dieser Vortrag diskutiert die von ihm entwickelten wichtigen Anregungen und Fragen, die zu Anknüpfungen und Neuformulierungen innerhalb der psychoanalytischen Theorie führten.
Referentin: Hemma Rössler-Schülein, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Lehranalytikerin (WPV/IPV), Vorsitzende der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung

11.30 - 13.00 Uhr: Der Kampf ums Setting
Psychotische PatientInnen stellen in der Radikalität ihrer Symptomatik, der Fragmentierung des Ichs und der Verwerfung der Vatermetapher intensive Ansprüche an TherapeutInnen und Behandler, sowohl im stationären Setting als vielleicht noch mehr in der freien Praxis. Konzepte des Settings, die auf diese spezifischen Anforderungen eingehen, werden vorgestellt und diskutiert.
Referent: Michael Ertl, Primar, Psychotherapeut, Gruppenpsychoanalytiker, Wien

14.15 - 15.45 Uhr: Was heißt eigentlich “depressiv” oder “gehobene Stimmung” wirklich?
Im Sinn einer verstehenden Psychopathologie auf psychoanalytischer Grundlage wird eine differenzierende Beschreibung der Affekte und Stimmungen sowie der damit verbundenen Vorstellungen bei affektiven Störungen versucht.
Referent: Wolfgang Groysbeck, Facharzt Für Psychiatrie, Kinder-und Jugendneuropsychiatrie, Lehranalytiker (WAP/IPV), Wien

16.00 - 17.30 Uhr: Falldarstellungsgruppen mit den ReferentInnen
Sie haben die Möglichkeit, einen eigenen Fall zur Diskussion zu stellen,
bitte melden Sie sich diesbezüglich bei roessler-schuelein@wpv.at.


Programm 3. Veranstaltung - 11. November 2017

9.30 - 11 Uhr und 11.30 - 13.00 Uhr: Klinisches Seminar mit Joachim Küchenhoff
Leitung: Joachim Küchenhoff, Arzt für Psychiatrie, Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytiker (IPA), ist Professor an der Universität Basel und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie Basel-Land. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zu Themen wie  Psychose, Psychotherapieforschung, Körper und Spracherleben, psychodynamische Psychiatrie.  Jüngste Publikation Labyrinthe des Ohres zusammen mit Ralf Warsitz: Vom therapeutischen Sinn des Zuhörens bei psychotischen und anderen Erfahrungen erscheint im Dezember 2016.

14.15 - 15.45 Uhr: Projektionen und projektive Identifizierung- eine Herausforderung in der Behandlung psychiatrischer PatientInnen
Die vornehmlich verwendeten Abwehrmechanismen von PatientInnen mit psychotischen Erkrankungen oder mit Borderline-Störungen stellen sowohl in ambulanten als auch stationären Settings hohe Anforderungen an die Behandler.
Referentin: Elisabeth Skale, Fachärztin für Psychiatrie, Lehranalytikern (WPV/IPV), Leiterin des Lehrausschusses der WPV

16.00 - 17.30 Uhr: Falldarstellungsgruppen mit den ReferentInnen
Sie haben die Möglichkeit, einen eigenen Fall zur Diskussion zu stellen,
bitte melden Sie sich diesbezüglich bei roessler-schuelein@wpv.at.

Termine 2018: Samstag 13. Jänner 2018, 3. März 2018, 29. September 2018
Inhaltlich sollen im Laufe des Jahres  2018 u.a. die Konzepte psychotischer und nicht psychotischer Persönlichkeitsanteile  diskutiert werden,  weiteres die Darstellung verschiedener Abwehrvorgänge, die im Gegensatz zur Verdrängung davon zeugen, dass das Ich nicht einheitlich  ist. Im Herbst wird Claudia Frank negative Übertragung und das Erleben und Denken in der paranoid-schizioiden Position referieren. Nähere Einzelheiten  werden in Kürze  bekanntgegeben.

Fortbildung in psychoanalytischer Psychosentherapie (PPT)
Das Ich schafft sich selbstherrlich eine neue Außen- und Innenwelt (S. Freud 1924)
Psychoanalytische Psychosentherapie eröffnet Zugänge zum besseren Verständnis der inneren Dynamik von Patienten mit Schizophrenie und Affektpsychosen. Dadurch erleichtert sie es Therapeutinnen (Ärztinnen, Pflegepersonal, Psychologen usw.) Menschen mit Psychosen auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten. Psychoanalytische Psychotherapie ist eine Ergänzung biologisch/pharmakologischen Modellen, und fokussiert auf das individuelle Schicksal und die originellen Selbstheilungsversuche psychotischer Patienten. Oft ist es geradezu erstaunlich, wie viel Kreativität manche Patienten entwickeln um ihre Verzweiflung und existentielle Bedrohung zu bewältigen. „Geisteskrankheit entlastet den Menschen und gibt ihm Flügel...“ meinte J. Dubuffet schon 1924. Andererseits kann die Wahrnehmung zerstörerischer Mechanismen in der eigenen Psyche eine große Bedrohung und Kränkung für die Betroffenen darstellen, andere in sogenannte Handlungsdialoge zwingen, Überforderung, Aggression, Angst und Scham hervorrufen und ein hohe Anforderungen an die Fähigkeit zu trauern und an das eigenen psychische Fassungsvermögen darstellen. Es verlangt oft viel von einem ab, sich auf solche Mitmenschen einzulassen. Daher sollen besonders die unwillkürlichen und gewohnten Einstellungen gegenüber den Patientinnen, so genannte Gegenübertragungen, in dieser Fortbildung wahrgenommen und systematisch reflektiert werden können. Psychoanalytische Psychosen Therapie fördert das Verständnis solcher innerer Haltungen und erleichtert dadurch den täglichen Umgang mit dieser schwierigen und faszinierenden Gruppe von Patienten. Die dafür notwendigen theoretischen Grundlagen werden ausgehend von den Überlegungen Freuds umfassend dargestellt. Weiter kommen auch die notwendigen technischen Modifikationen der Psychotherapie zur Sprache und werden aus den verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Klinische Verläufe und Randgebiete tragen zu einer Vertiefung des theoretischen und praktischen Wissens auf diesem Gebiet bei.

Leitung, Organisation: Dr. Wolfgang Groysbeck, Dr.in Hemma Rössler-Schülein
Informationen: roessler-schuelein@wpv.at