Psychoanalytisch orientierte Traumabehandlung 2017

Fortbildung für PsychoanalytikerInnen, PsychoanalytikerInnen i.A.u.S., PoP PsychotherapeutInnen i.A.u.S., PsychotherapeutInnen anderer Schulen, Klinische PsychologInnen, ÄrztInnen mit PSYIII-Diplom

Ziel dieser Fortbildung ist es den Beitrag der Psychoanalyse für die Behandlung von (schwer) Traumatisierten zu bestimmen.
In 10 Modulen mit je 8 AE werden grundlegende Begriffe und Konzepte dargestellt. Der Schwerpunkt liegt in der klinischen Darstellung (Fallbesprechungen, Rollenspiele) und in einer plastischen Vermittlung der Inhalte mittels Film und Literatur.
In jedem Modul werden 6 AE der Theorie bzw. Klinik gewidmet und jeweils 2 AE sind für Fallsupervisionen reserviert.

Bei/vor jeder Fortbildung erhalten Sie ein Skriptum der Vortragenden.
Die Inhalte der einzelnen Module finden sie weiter unten kurz dargestellt.

Termine: 
28.01.17, 25.02.17, 25.03.17, 29.04.17, 20.05.17,
24.06.17, 09.09.17, 07.10.17, 11.11.17, 16.12.17
Samstag jeweils 09.00 -16.30 Uhr

Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/3, 1010 Wien

Leitung der Fortbildung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till

Weitere Vortragende:  Barbara Burian-Langegger, Fritz Lackinger, Ana Samonig, Sonja Wohlatz

Teilnehmerzahl: 15-20 Personen

Teilnahmegebühr:  € 1.350,00

Anmeldung: Anmeldeformular

Inhalte der einzelnen Module

28. Jänner 2017
Einführung in die Psychotraumatologie
Leitung: Bettina Jordan, Wilhelm Burian, Wolfgang Till
Nach einer Vorstellungsrunde, sehen wir dieses Modul als eine allgemeine Einleitung mit Präsentation und Diskussion der allgemein gebräuchlichen Definitionen von Theorie und Praxis der Psychotraumatologie.


25. Februar 2017
Psychoanalytische Traumatheorien
Leitung: Fritz Lackinger
Das Trauma war in der Entwicklung der Freud’schen Lehre von Beginn an ein zentrales Thema. Die Aufgabe der sogenannten „Verführungstheorie“ durch Freud ermöglichte die Entdeckung der infantilen Sexualität und des Ödipuskomplexes. Ferenczi war der erste, der das Trauma als Beziehungs-ereignis beschrieb und damit vielfältige Perspektiven auf die Wirkung infanti-ler Traumata für die Entwicklung der psychischen Strukturen eröffnete. In jüngerer Zeit werden Beziehungstraumata mit der Verstärkung paranoid-spaltender Mechanismen und mit der Blockierung von Mentalisierungs- und Symbolisierungsprozessen verbunden.
Das Modul versucht einen Überblick über diese Theorieentwicklung zu geben und anhand von Beispielen die klinische Brauchbarkeit von theoretischen Konzepten zu untersuchen.


25. März 2017
Psychiatrische Behandlungen
Leitung: Bettina Jordan
Darstellung der Interventionsketten, die im Zusammenhang mit Traumatisierungserfahrungen erforderlich sein können.
Besonderes Merkmal wird auf die Schnittstellen und die aktuellen Möglichkei-ten der pharmakologischen Behandlungen gelegt.
Psychobiologie des Traumas
Leitung: Fritz Lackinger
Die kognitiven Neurowissenschaften haben in den letzten 20 Jahren eine Unzahl von neuen neurobiologischen und kognitionswissenschaftlichen Er-kenntnissen zusammengetragen, die auch die psychoanalytischen Konzepte des Traumas herausfordern. In dem halben Modul, das diesem Thema gewidmet ist, werden die zentralen Befunde dieser Forschung vorgestellt und ihre Relevanz für das psychoanalytische Denken untersucht. An Hand eines kurzen Beispiels wird gefragt, was die klinisch-praktische Bedeutung dieser Debatten ist.

29.. April 2017
Traumatisierung durch Krieg und Verfolgung
Leitung: Wilhelm Burian
Am Beispiel des Filmes <Hitlerjunge Salomon> (Originaltitel in Europa) von Agneshka Holland erleben wir die Identitätsentwicklung von Sally. Diese Entwicklung beginnt im Film mit der Trennung von seiner Familie über seine sowjetische Umerziehung und sein Weg als „Ost-Deutscher“ in die HJ und endet mit dem Wiederfinden seines Bruders und seiner Übersiedlung nach Israel. Die Auswirkungen dieser traumatischen Veränderungen auf seine Identität werden erörtert.

20. Mai 2017
Trauma – Übertragung, Gegenübertragung
Leitung: Wolfgang Till
In diesem Modul wird - sowohl theoretisch als auch anhand von Fäl-len/Fallvignetten - thematisiert, wie Traumatisierungen in speziellen Übertra-gungs-Gegenübertragungskonstellationen ihren Niederschlag finden können. Traumatisierungen können so besser verstehbar und bearbeitbar werden; weiters sollen die speziellen Herausforderungen für die Gegenübertragung, die die Arbeit mit Traumatisierten oft bedeutet, diskutiert werden.

24. Juni 2017
Massives Trauma: Holocaust
Leitung: Bettina Jordan, Wilhelm Burian
Der Holocaust als historische Katastrophe verursachte Extremtraumatisierungen, kollektives Trauma, transgenerationale Übertragung u.v.a. Das Phä-nomen Holocaust erforderte die Entwicklung von Theorien und therapeutischen Konzepten, auch in dem Versuch angemessene Behandlungsangebo-te zu entwickeln.
In diesem Modul werden wir uns anhand der autobiographischen Graphic Novel, „Zweite Generation, was ich meinem Vater nie gesagt habe“ von Mi-chel Klichka, Egmont Verlag, 2014, mit einer sehr persönlichen Geschichte beschäftigen. Wir werden die Folgen und Auswirkungen in der 1. Generation und in der 2. Generation erörtern.


9. September 2017
Akuttraumatisierungen
Leitung: Wolfgang Till, Bettina Jordan
Akuttraumatisierungen sind in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion sehr präsent. Dabei werden meist möglichst frühzeitige therapeutische Hilfestellungen aus präventiven Überlegungen heraus empfohlen. Es soll hier versucht werden die innere Situation akut Traumatisierter psychoanalytisch zu verstehen und zu überprüfen, inwieweit psychoanalytisches Handeln in diesen Situationen in modifizierter Weise möglich ist.
Methoden: Erarbeiten der Theorie, Rollenspiel, ev. Fallarbeit.

7. Oktober 2017
Sexueller Kindesmissbrauch
Leitung: Sonja Wohlatz
Historischer Überblick psychoanalytischer  Zugänge - Theorien und Kontroversen. Ausgewählte Beispiele aus der klinischen Praxis.
- Besondere Aspekte des Sexuellen Missbrauchs durch Familienangehörige (Bindungstrauma)
- Sexuelle Gewalt an Kindern in Institutionen
Welche Folgen gibt es für die psychosexuelle Entwicklung und Spätfolgen im Bereich der Ich-Funktionen, der Abwehrmechanismen und der Objektbeziehungen?
Was sind die Anforderungen an die psychoanalytische Therapie mit sexuell traumatisierten Patienten?


11. November 2017
Behandlung traumatisierter Kinder
Leitung: Barbara Burian-Langegger
Neben einer Darstellung des Traumas im Kindesalter wird auf die psychodynamisch-altersspezifischen Abwehr- und Verarbeitungsmöglichkeiten hingewiesen. Anhand klinischer Fallbeispiele werden die speziellen Übertragungs- und Gegenübertragungskonstellationen und die technischen Implikationen in der psychotherapeutischen Arbeit mit traumatisierten Kindern und ihren Be-zugspersonen aufgezeigt.

16. Dezember 2017
Abschluss des Lehrgangs
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till
In diesem Modul wird es eine Zusammenfassung und Zusammenschau der Inhalte dieses Curriculums geben. Insbesondere soll die Frage von Möglichkeiten und Grenzen psychoanalytisch orientierter Behandlung Traumatisierter diskutiert werden, also wann eine derartige Behandlung indiziert ist und wann nicht? Überdies wird es auch Raum und Zeit geben, um die Zusammenarbeit der Gruppe abzuschließen.

Supervisionen
Bei jedem Modul (2AE) wird ein Fall über die Arbeit mit einem/er traumatisier-ten PatientIn von einem/er TeilnehmerIn vorgestellt und besprochen.
SupervisorInnen sind die LehrgangleiterInnen:
Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till

Vortragende

Wilhelm Burian, Dr.
Psychoanalytiker (WPV/IPV), Facharzt f. Psychiatrie u. Psychotherapeutische Medizin, Lehranalytiker, Ausbildungsleitung Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie an der Wiener Psychoanalytischen Akademie.
Arbeitsschwerpunkte: Klinik der Psychoanalyse, Psychotherapie der Sucht, Trauma , Psychoanalyse und Geschichte (Politik). Lehr - und Publikationstätigkeit zu diesen Themen


Barbara Burian-Langegger, Dr.in
Lehrtherapeutin für Katathym Imaginative Psychotherapie (ÖGATAP)
Fachärztin für Kinder-und Jugendlichenheilkunde.
Vormals Oberärztin der Kinderpsychosomatischen Station Wilhelminenspital und Leiterin der Institute für Erziehungshilfe, Wien; Psychotherapeutische Praxis, Wien.
Arbeitsschwerpunkte: Trauma, Adoleszenz, Institutionelle Psychotherapie


Bettina Jordan, Dr.in
Psychoanalytikerin ( WPV/IPA), FÄ für Psychiatrie u. Psychotherapeutische Medizin. Vormals stellv.ärztliche Leiterin der Ambulanz „Esra“
Arbeitsschwerpunkte: Klinik der Psychoanalyse, Trauma, psychoanalytischer Input im Rahmen verschiedener Institutionen des psychosozialen und Gesundheitsbereichs, Sprache und Mehrsprachigkeit

Friedrich Lackinger, Priv.-Doz. Dr.
Klinischer- und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (Psychoanalyse WAP/IPA) in freier Praxis, Lehranalytiker, dzt. Vorsitzender des WAP.
Arbeitsschwerpunkte: psychoanalytische Theorie , Wissenschaftstheorie, Forensik und Delinquenz, Trauma, TFP

Ana Samonig, Mag.a
Klinische Psychologin, Psychoanalytikerin (WPV), tätig in freier Praxis und in der Beratungsstelle für sexuellen Missbrauch "Tamar".
Schwerpunkte: Angst, Trauma, Migration

Wolfgang Till, DDr.
Psychotherapeut (Psychoanalyse-WPV/IPV, Integrative Gestaltthera-pieÖAGG), Klinischer und Gesundheitspsychologe, Jurist. Lehrtherapeut für Integrative Gestalttherapie und für POP.
Arbeitsschwerpunkte: Psa. Psychotherapie, Krisenintervention (insbes. eine psa. Sicht von KI), Suizidologie, Sexualwissenschaft. Lehr- und Publikati-onstätigkeit zu diesen Themen

Sonja Wohlatz, Dipl.Psych.
Psychotherapeutin (PoP, Gruppenpsychoanalyse), Klinische und Gesundheitspsychologin.
In freier Praxis tätig, langjährige Mitarbeiterin und Geschäftsführerin der Beratungsstelle.“Tamar".
Arbeitsschwerpunkte:Sexueller Mißbrauch , frauenspezifische Psychotherapie, Prozessbegleitung.