Zur Geschichte der Psychoanalyse - Teil 2

Deutsche und österreichischen Psychoanalyse in der Zeit des Dritten Reiches

Termine: jeweils Mittwoch, 20.15 bis 22.00 Uhr
25. April 2018, 16. Mai 2018, 20. Juni 2018
Teilnahmegebühr: € 78.- (3 Termine), € 30.- (1 Termin)
Anmeldung: Anmeldeformular

„Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt“ (Sigmund Freud 1923).

Dieser Satz von Freud dient uns als Motto für eine Vortragsreihe, die vorigen Herbst an der Wiener Psychoanalytische Akademie begann und im ersten Semester die Zeit von der Entstehung der Psychoanalyse bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs behandelte. Im zweiten Semester wollen wir uns auf die Zeit des Dritten Reiches in Deutschland und Österreich konzentrieren.

Es geht dabei u.a.
- um die Frage der Anpassung der DPG an das Hitler-Regime und den Druck auf die
  jüdischen Mitglieder, aus der DPG auszutreten,
- um die Emigration der jüdischen Psychoanalytiker_innen in alle Welt,
- um die Funktionsweise des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und
  Psychotherapie, des sog. „Göring-Instituts“, inkl. seiner Zweigstelle in Wien
- um die Rolle August Aichhorns in der Wiener Zweigstelle und um die seines Nachfolgers
  Emil Gebsattel
- um das Verhältnis der Psychoanalyse zur katholischen Kirche und um das Verhältnis
  von Psychoanalyse und Psychiatrie

Das unmittelbare Ziel der Reihe ist es, grundlegendes Wissen für (werdende) Psychoanalytiker_innen, (werdende) psychoanalytisch orientierte Psychotherapeut_innen und alle Interessierten aus anderen Denktraditionen anzubieten. Längerfristig besteht das Interesse, eine Forschungsgruppe zu historischen Fragen der Psychoanalyse aufzubauen.

Folgende drei Vorträge werden im Sommersemester angeboten:

Thomas Aichhorn

Psychoanalyse in Deutschland 1933-1945
Im März 1933 – nach der Machtergreifung Hitlers – erkundigte sich Eitingon bei Freud, wie er sich möglichen Angriffen der Nationalsozialisten der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) gegenüber verhalten solle. Freud antwortete ihm „Als Parole möchte ich ausgeben: Keine Provokationen, aber noch weniger Konzessionen. Die Psychoanalyse können sie nicht erschlagen, an unseren Personen ist weniger gelegen.“
Eitingon ging nach Jerusalem, Felix Boehm und Carl Müller-Braunschweig wurden als Vorsitzende der DPG gewählt. In Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Psychoanalyse zwar nicht verboten und das Berliner Institut der DPG zunächst nicht aufgelöst worden, tatsächlich bedroht aber waren die jüdischen Mitglieder der DPG. Im November 1933 hatten bereits 37 Mitglieder Deutschland und damit die DPG verlasse.
Im Juni 1936 wurde auf Veranlassung des Reichsärzteführers und des Reichsinnenministeriums das „Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie“ unter der Leitung von Matthias H. Göring eröffnet. Die DPG trat dem Institut bei. Die DPG trat zunächst aus der IPV aus, machte aber kurz danach ihren Austritt wieder rückgängig. Erst im November 1938 wurde die DPG schließlich aufgelöst und dem „Deutsche Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie“ als „Arbeitsgruppe A“ angegliedert.
In einem „Kurzen Bericht über die Geschichte der ‚Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft’ von 1939-49“ heißt es: „Von einer freien Entfaltung der Freudschen Forschung konnte freilich weder im Rahmen der Vorlesungen des genannten Instituts [des ‚Deutschen Instituts’] noch in den Sitzungen unserer psychoanalytischen Gruppe die Rede sein.“

Thomas Aichhorn
Die Psychoanalyse in Wien 1938 – 1946
Durch den Einmarsch der deutschen Truppen in den Morgenstunden des 12. März 1938 war die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich Wirklichkeit geworden. Durch diese politische Katastrophe wurden Freud, seine Familie und fast alle Psychoanalytiker aus Wien vertrieben. Die WPV, damals eines der wichtigsten Zentren der Internationalen Psychoanalyse, und auch der Internationale Psychoanalytische Verlag mussten aufgelöst werden.
August Aichhorn, der in Wien geblieben war, leitete ab dem Winter 1938/39 bis zum Frühjahr 1944 ein psychoanalytisches Ausbildungsseminar, das ab dem Herbst 1941 vom Deutschen Institut als Ausbildungsseminar offiziell anerkannt worden war. 1944 kam Viktor v. Gebsattel nach Wien und übernahm die Leitung der Wiener Gruppe. Damit war die Betreuung der Wiener Arbeitsgruppe durch Aichhorn beendet.
Bereits im Sommer 1945 unternahm Aichhorn erste Schritte zur Wiedereröffnung der WPV, die schließlich am 10. April 1946 wiedereröffnet werden konnte.

Georg Augusta
Psychoanalyse in Österreich im institutionellen Kontext: 1933 bis 1953

a) Die Rolle der katholischen Kirche als Widersacherin der Psychoanalyse
b) das Verhältnis von Psychiatrie und Psychoanalyse