Todestrieb und Kultur

Freuds späte Kulturtheorie und Trieblehre

Seminarleitung:
Victor Blüml, Daru Huppert

Termine: jeweils Freitag, 16.00 - 19.30 Uhr
13.10.2017, 10.11.2017, 15.12.2017


Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/3, 1010 Wien
Seminargebühr: € 220.-/€ 120 für Psychoanalyse und POP-KandidatInnen
Anmeldung bis 15.09.2017: Anmeldeformular

Die Einführung des Todestriebs stellt die entscheidende Zäsur und zugleich eine beunruhigende Erneuerung in Freuds spätem Denken dar. Mit diesem Begriff gelingt es ihm, die psychische Tendenz zur Auflösung sowie den Drang zur Zerstörung als Trieb zu fassen. Freuds Erneuerung war schockierend und sie ist weiterhin umstritten – von manchen als unerlässlich betrachtet, wird sie von anderen als Irrtum verworfen. Der Todestrieb bleibt ein verstörendes Rätsel. Seine Einführung regte jedenfalls Freud zu einer selbst für ihn erstaunlichen theoretischen Entwicklung an. In der Metapsychologie war dieser Begriff mitausschlaggebend für den Entwurf der Strukturtheorie und in der Klinik führte er zu einer vertieften Untersuchung der nicht-neurotischen Störungen. Vielleicht hat der Todestrieb sich aber nirgends so stark ausgewirkt wie auf Freuds späte Kulturtheorie. Diese erfährt nun ihre äußerste Zuspitzung: Mit dem Todestrieb wird die mögliche Zerstörung der Kultur zum ersten Mal theoretisch fassbar. Dadurch kann Freud die Frage nach dem Wert der Kultur und den Kräften, die sie zusammenhalten, neu und grundlegend stellen.

Im Seminar werden wir Auszüge aus Jenseits des Lustprinzips und Das ökonomische Problem des Masochismus lesen. Mit diesen Grundlagen ausgerüstet, werden wir uns zwei späte kulturtheoretische Schriften vornehmen: Massenpsychologie und Ichanalyse, ein Text, in dem der Todestrieb nicht explizit angesprochen, aber stumm mitgedacht wird, und Das Unbehagen in der Kultur, in dem Freud viele seiner ergreifendsten Überlegungen zum Todestrieb entwickelt.

Wir wollen im Seminar untersuchen, wie sich der Begriff des Todestriebs in Bezug auf kulturelle Phänomene produktiv anwenden und weiterdenken lässt. Eines unserer zentralen Anliegen ist es, Bezüge zwischen der Kulturtheorie und der Klinik herzustellen.

Die Veranstaltung findet geblockt an 3 Abenden statt. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen. Eine Vertrautheit mit Freuds Werk ist von Vorteil, jedoch keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
victor.blueml@meduniwien.ac.at und daruhuppert@hotmail.com.