Die Bedeutung der Erinnerung – die Erinnerung der Bedeutung

Zur Geschichte der Psychoanalytischen Sozialarbeit in Wien

Tagung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse und der Wiener Psychoanalytischen Akademie in Erinnerung an
Sigmund Freuds 78. Todestag


Termin: Samstag, 21.10.2017, 9.30 - 14.00 Uhr
Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16, 1010 Wien
Anmeldung bis 11.10.2017: office@psy-akademie.at
Eintritt frei

Sie wissen, mein Vater hat immer prophezeit, dass die Anwendung [der Psychoanalyse] auf die Erziehung später alle anderen an Bedeutung überflügeln wird. Anna Freud an August Aichhorn, 5. März 1947


„Das ungläubige Erstaunen, mit welchem die gesichertsten Ermittlungen der Psychoanalyse über die Kindheit aufgenommen werden – über den Ödipuskomplex, die Selbstverliebtheit (Narzissmus), die perversen Anlagen, die Analerotik, die sexuelle Wissbegierde – misst die Distanz, welche unser Seelenleben, unsere Wertungen, ja unsere Gedankenprozesse von denen auch des normalen Kindes trennt“, schrieb Sigmund Freud schon 1913 über die Relevanz der psychoanalytischen Erkenntnisse für die Erziehung. Er nahm an, dass die Annäherung ans kindliche Erleben deren Möglichkeiten wesentlich im Sinne der Kinder verbessern könnte. Aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erwuchs in den vergangenen Jahrzehnten ein eigenständiger Ansatz psychoanalytischen Herangehens, der heute in vielen Feldern der Sozialen Arbeit Anwendung findet.

Die Geschichte der Psychoanalytischen Sozialarbeit in all ihrem Erfahrungsreichtum und ihren Möglichkeiten mitzuschreiben – als praktisches Beispiel für die Forderung Freuds, das psychoanalytische Denken in den Alltag der Menschen zu bringen, nicht in Form trivialisierter Begriffe, sondern als Erkenntnisweise – haben sich Thomas Aichhorn und Karl Fallend seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht. Als Historiker der Psychoanalytischen Sozialarbeit aber schreiben sie nicht nur Geschichte, sondern machen darauf aufmerksam, dass die oftmals vergessenen und nur mühsam wiederentdeckten Konzepte für die Praxis der Sozialen Arbeit in der Gegenwart Bedeutung haben.

Vor der Einrichtung des ersten Lehrgangs für Psychoanalytische Sozialarbeit seit 1938, der im Januar 2018 in der Wiener Psychoanalytischen Akademie beginnen wird, möchte diese gemeinsame Tagung der psychoanalytischen Vereine anlässlich des 78.Todestags von Sigmund Freud im Londoner Exil am 23.9.1939, eine Brücke schlagen zwischen der zerstörten und emigrierten Psychoanalytischen Sozialarbeit zur heutigen, und erinnerte Bedeutungen wie bedeutungsvolle Erinnerungen sichtbar werden lassen.

Programm

09.30 - 10.00 Uhr   Begrüßung: Hemma Rössler-Schülein, WPV und Peter Wuzella, WAP

10.00 - 10.30 Uhr   Tjark Kunstreich: Einführung zur Tagung,
                               Vorstellung des Lehrgangs Psychoanalytische Sozialarbeit 2018

10.30 - 11.30 Uhr   Thomas Aichhorn: Bemerkungen zur Geschichte der
                               Psychoanalytischen Sozialarbeit in Wien

                               Moderation: Christine Diercks

11.30 - 12.00 Uhr   Pause

12.00 - 13.00 Uhr   Karl Fallend: „Aus der Sintflut einige Tauben.“
                               Biographische Einsichten

13.00 - 14.00 Uhr   Offene Diskussion: Sozialarbeit und Psychoanalyse heute
                               (Einleitung: Elisabeth Skale)

                               Moderation: Marlene Roth-Greussing

Im Anschluss an die Tagung gibt es für Interessierte Gelegenheit zur Information über den Lehrgang Psychoanalytische Sozialarbeit 2018 und eine Buchpräsentation der Schriftenreihe: Zur Geschichte der Sozialarbeit: https://www.youtube.com/watch?v=PJR5Ab_lV6o