Psychoanalytische Sozialarbeit Weiterbildungslehrgang 2018

In allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit zeigt sich eine Zunahme so genannter „komplexer Problemlagen“ und von KlientInnen, die aus dem Rahmen fallen. Reflektiert wird diese Entwicklung in einem steigenden Bedürfnis nach psychoanalytischen Zugängen in Supervisionen und in der Reflexion professionellen Handelns. Sei es in der Begleitung von traumatisierten oder alten und pflegbedürftigen oder sehr jungen oder sehr abhängigen oder psychisch kranken Menschen, sei es in Gruppen, Stadtteilen oder Gemeinwesen: der Mangel an Ressourcen und gesellschaftliche Exklusion verlangen den professionell Handelnden umfangreiche Handlungs- und Reflexionsmöglichkeiten ab.

Psychoanalytische Sozialarbeit ist weder eine Methode noch ein Ansatz, weder eine Schule noch ein Instrumentarium, und doch zugleich alles davon:
- Als Methode ermöglicht sie einen Zugang zu unbewussten Prozessen in Individuen und
  Organisationen, die in anderen Methoden oftmals gar nicht vorkommen, wenn nicht
  verleugnet werden;
- als Ansatz vermittelt sie eine eigene Sichtweise auf individuelle, familiäre und Gruppen-
  Systeme, die das professionelle Handeln nicht außen vor lässt, sondern im Gegenteil
  immer als involviert versteht, und wird deswegen zurecht als kritische Herausforderung
  verstanden;
- als Schule verfügt sie über eine, mit August Aichhorn und Siegfried Bernfeld nach dem
  ersten Weltkrieg in Wien beginnende und in der englischen und us-amerikanischen
  Emigration fortgesetzte, erprobte Forschungspraxis, die ihre Erkenntnisse aus der
  Bearbeitung der Übertragung zu nutzen weiß;
- als Instrumentarium bietet sie eine kritisch-reflexive Praxis an, die sich nicht mit
  Lösungs- und Ressourcenorientierung zufriedengibt, und stattdessen Antworten aus
  der sozialen Dynamik erarbeitet, die Zeit brauchen und einfordern, und die gerade damit
  dazu beitragen kann, professionelles ‚Ausbrennen’ zu verhindern.

Psychoanalytische Sozialarbeit ist aber nichts ohne die psychoanalytische Selbsterfahrung. Nur im Zugang zum eigenen Unbewussten und im Wissen um die eigenen bedürftigen Anteile kann sich eine helfende Haltung entwickeln, die nicht bevormundend Besserwissen muss oder in manischer Abwehr die eigenen Defizite im Anderen bearbeiten will. Die Erfahrung eigener Abhängigkeit und Bedürftigkeit in der Selbsterfahrung ermöglicht hingegen, in der Bearbeitung von Übertragung und Gegenübertragung Unterscheidungen zu treffen zwischen den eigenen Anteilen und denen der KlientInnen.

Bislang gab es verschiedene praxisorientierte Zugänge zur Psychoanalytischen Sozialarbeit. Der Lehrgang Psychoanalytische Sozialarbeit soll zu einer Professionalisierung beitragen, der es nicht allein um eine Standardisierung geht, sondern zugleich einen Faden des Freud’schen Diktums vom Heilen und Forschen mit dem Blick aufs Soziale wiederaufnimmt. Deswegen sind im Lehrgang die Dimensionen professionellen Handelns und kritisch-reflexiver Forschung eng miteinander verknüpft. Der Austausch mit den Lehrenden dient nicht allein der Vermittlung, sondern dem begrifflichen Erfassen – der Deutung – der eingebrachten Erfahrungen. Nicht zuletzt, weil die Psychoanalyse insgesamt von der Fortentwicklung ihrer Vermittlung lebt.

Am Ende des Lehrgangs steht deshalb eine öffentliche Präsentation des Forschungsprojekts der Teilnehmenden. Im ersten Lehrgang wird es um die grundlegende Frage gehen, was die zentralen Begriffe der Psychoanalyse für die Psychoanalytische Sozialarbeit bedeuten. Dabei geht es nicht nur um Begriffsdefinitionen, vielmehr um die eigenständige Entwicklung eines Vokabulars der Psychoanalytischen Sozialarbeit anhand von theoretischen Reflexionen, praktischen Erfahrungen und Falldarstellungen. Die Diskussion mit der Fachöffentlichkeit betont die eigenständige Positionierung der Psychoanalytischen Sozialarbeit im professionellen und gesellschaftlichen Feld ebenso wie mögliche Anschlüsse und Rückkopplungen.

Zielgruppe

Zur Teilnahme am Lehrgang sind alle eingeladen, die ein (FH-)Studium bzw. grundständige Ausbildungen (DSA, Dipl. SP) absolviert haben und/oder in Feldern der Sozialen Arbeit hauptberuflich tätig sind sowie entweder über eine psychoanalytische Selbsterfahrung verfügen oder bereit sind, während des Lehrgangs, eine solche zu beginnen. Für die Teilnahme ist ein Vorgespräch erforderlich, in dem auch diesbezügliche Fragen geklärt werden können.

Konzept


Der Rahmen des Lehrgangs umfasst zehn Blöcke in einem Studienjahr (Januar bis Dezember 2018). Der erste Block umfasst vier Tage (Donnerstag bis Sonntag), die anderen drei Tage (Block 2 – 9: Freitag bis Sonntag, Block 10: Donnerstag bis Samstag). Schwerpunkt sind zum einen die Supervisionsgruppen am Freitag und die Forschungsgruppen am Samstag bzw. Sonntag. Die Supervisionsgruppen sind unabhängig, jedeR TeilnehmerIn sollte jedoch im Verlauf zwei Fälle vorstellen. Die Forschungsgruppen werden zu Anfang gebildet und arbeiten zu der übergeordneten gemeinsamen Forschungsfrage, die zugleich für individuelle Forschungsfragen offen ist. Je nach Anzahl der Teilnehmenden sind drei Supervisionsgruppen und drei Forschungsgruppen geplant. Forschungs- und Supervisionsgruppen sind nicht ident.

Jeder Block hat einen Schwerpunkt, der von für diesen Schwerpunkt besonders qualifizierten Lehrenden unterrichtet wird. Der Lehrgangsleiter ist ebenfalls anwesend, um die Lehrenden zu unterstützen und die Erarbeitung der Inhalte in unterschiedlichen Formen zu ermöglichen. Zugleich wahrt er gemeinsam mit den SupervisorInnen und ForschungsgruppenleiterInnen die Erfahrung der Kontinuität des Lehrgangs. Die Forschungsfragen werden parallel zu den Blöcken erarbeitet. Am Ende steht die Vorbereitung einer gemeinsamen fach-öffentlichen Veranstaltung zur Präsentation der Forschungsprojekte.

Anforderungen an Teilnehmende
- Regelmäßige Teilnahme
- Präsentation von zwei Protokollen in den Supervisionsgruppen
- Entwicklung und Präsentation eines eigenen bzw. gemeinsamen Forschungsprojekts

ForschungsgruppenleiterInnen
Liana Giorgi, Stephan Fock, Tjark Kunstreich

SupervisorInnen
Sabine Götz, Wolfgang Groysbeck, Daru Huppert

Information und Koordination
Tjark Kunstreich, MA
tjark.kunstreich@wpv.at
Tel. +43 (0)1 946 20 65

Termine: Jänner 2018 – Dezember 2018, insgesamt 182 Arbeitseinheiten à 45 Minuten

Kosten: € 3900.- Zahlung in 2 Teilbeträgen möglich.
                            1. Rate: € 2.000,- bei der Anmeldung,
                            2. Rate: € 1.900,- bis 15. Juni 2018

Anmeldung (nach einem Informationsgespräch mit Tjark Kunstreich): Anmeldeformular
Anmeldefrist: 31.12.2017
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