Psychoanalytische Psychosentherapie 2018

Fortbildung für ÄrztInnen (PSY-Diplom), Klinische PsychologInnen, PsychoanalytikerInnen (i.A.u.S.), PoP PsychotherapeutInnen ( i.A.u.S.), PsychotherapeutInnen anderer Schulen, Interessierte aller Berufsgruppen, die mit an Psychosen erkrankten Menschen arbeiten.

Termine: 13. Jän. 2018, 3. Mär. 2018, 29. Sep. 2018, jeweils von 9.30 - 17.30 Uhr
Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/3, 1010 Wien
TN-Gebühr: € 390.- / € 330.- für KandidatInnen WAP, WPV und POP
Leitung, Organisation: Dr. Wolfgang  Groysbeck, Dr.in Hemma Rössler-Schülein
Informationen: roessler-schuelein@wpv.at
Anmeldung: Anmeldeformular

Nach sechsmaliger Teilnahme (zwei Jahren) und einer Fallvorstellung können Sie eine Fortbildungsbestätigung in psychoanalytischer Psychosentherapie erhalten.

Programm

13. Jänner 2018

9.30 - 11.00 Uhr 
Peter und Ursula Schuster: Zur Unterscheidung von psychotischer und nichtpsychotischer Persönlichkeit 
An Hand von W.R Bions Versuch einer Beschreibung eines psychotischen und eines nicht psychotischen Persönlichkeitsanteils wollen wir uns bemühen, dieses Konzept darzustellen und seine klinische Anwendung und Bedeutung überprüfen.“

OR. Dr. Peter Schuster, FA f. Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin,  Lehranalytiker (WPV/IPA), Lehrtherapeut/Supervisor TFP
Dr. Ursula Schuster, FÄ f. Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin,  Lehranalytikerin  (WPV/IPA)

11.30 - 13.00 Uhr 
Kasuistikseminare I


14.15 - 15.45 Uhr
Eva Horvath: Körperbild und Psychose
„Das Ich ist vor allem ein körperliches...“ (S. Freud, 1923). Der Ich-Bildung liegen Berührungserfahrungen in der Interaktion der frühen Mutter-Kind-Dyade zugrunde. An Hand von Konzepten von Paul Schilder (Körper-Schema, Körperbild, body-image intercourse), Paul Federn (Ich-Gefühl, Ich-Grenzen), Didieu Anzieu (Haut-Ich) und Gisela Pankow (Grundfunktionen der Körperwahrnehmung) sollen Zugänge zu einem besseren Verstehen von Formen des Körper-Erlebens und von körperlich ausgedrückten Mitteilungen in psychotischen Zuständen dargestellt werden.

Dr. Eva Horvath, FÄ f. Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin ,Psychoanalytikerin und Gruppenpsychoanalytikerin in freier Praxis

16.00 - 17.30 Uhr
Kasuistikseminare II

3. März 2018

9.30 - 11.00 Uhr
Rainer Danzinger: Verrückte Religionsstifter. Kosmogonien als Abwehr existenzieller Bedrohung. 


Prim.-Univ. Prof. Dr. med. Rainer Danzinger, FA f Psychiatrie, Lehranalytiker des WAP, www.rainerdanzinger.at

11.30 - 13.00
Kasuistikseminare I


14.15 - 15.45 Uhr
Angelika Groysbeck: Die Spaltung unter die Lupe genommen

Obwohl der Begriff Spaltung schon wie  selbstverständlich verwendet wird, bezieht er sich auf ganz unterschiedliche Phänomene wie projektive Identifizierung, Dissoziation, Verleugnung. Diese verschiedenen Bedeutungen implizieren auch einen unterschiedlichen Blick auf die klinischen Phänomene, sodass gegensätzliche Ansichten über die Seele entstehen, die oft zu verwirrenden Diskussionen führen.

Dr. Angelika Groysbeck, FÄ f. Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin,  Lehranalytikerin  (WAP/IPA)

16.00 - 17.30 Uhr: Kasuistikseminare  II

29. September 2018

9.30 - 11 Uhr
Claudia Frank: „Ich überhörte aber diese erste Warnung ...“ - zur negativen Übertragung als Chance und Hindernis.


PD Dr.med Claudia Frank, Psychoanalytikerin (DPV/IPA)  und Psychiaterin, kommissarische Leiterin der Abteilung für Psychoanalyse und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen von 1998-2001. Vielen bekannt als Mitherausgeberin der Buchreihe Perspektiven Kleinianischer Psychoanalyse hatte sie damit zentrale Konzepte wie unbewußte Phantasie, projektive Identifizierung, pathologische Persönlichkeitsorganisationen einem breiteren deutschen Publikum zugänglich gemacht. Die von ihr erstmals wissenschaftliche bearbeiteten Originalnotizen zu den ersten Kinderbehandlungen Melanie Kleins ermöglichten nicht nur einen Einblick in die Anfänge der Kinderanalyse, sondern machen nachvollziehbar wie sich die Methode durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Theorien entwickelt.

11.30- 13.00 Uhr
Kasuistikseminare  I


14.15 - 15.45 Uhr
Wolfgang Groysbeck: 
Beschädigen, zerstören, beseitigen. Aspekte des Destruktiven.

Dr. Wolfgang Groysbeck, Facharzt Für Psychiatrie, Kinder-und Jugendneuropsychiatrie, Lehranalytiker (WAP/IPV), Wien

16.00 - 17.30 Uhr
Kasuistiksemianare  II


Es finden ab 2018 an jedem Samstag 2  Kasuistikseminare (je 90 Minuten) statt.
Sie haben die Möglichkeit, einen eigenen Fall zur Diskussion zu stellen, bitte melden Sie sich diesbezüglich bei roessler-schuelein@wpv.at.
Weitere Informationen
 

Fortbildung in psychoanalytischer Psychosentherapie (PPT) 
Das Ich schafft sich selbstherrlich eine neue Außen- und Innenwelt (S. Freud 1924) Psychoanalytische Psychosentherapie eröffnet Zugänge zum besseren Verständnis der inneren Dynamik von Patienten mit Schizophrenie und Affektpsychosen. Dadurch erleichtert sie es Therapeutinnen (Ärztinnen, Pflegepersonal, Psychologen usw.) Menschen mit Psychosen auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten. Psychoanalytische Psychotherapie ist eine Ergänzung biologisch/pharmakologischen Modellen, und fokussiert auf das individuelle Schicksal und die originellen Selbstheilungsversuche psychotischer Patienten. Oft ist es geradezu erstaunlich, wie viel Kreativität manche Patienten entwickeln um ihre Verzweiflung und existentielle Bedrohung zu bewältigen. „Geisteskrankheit entlastet den Menschen und gibt ihm Flügel...“ meinte J. Dubuffet schon 1924. Andererseits kann die Wahrnehmung zerstörerischer Mechanismen in der eigenen Psyche eine große Bedrohung und Kränkung für die Betroffenen darstellen, andere in sogenannte Handlungsdialoge zwingen, Überforderung, Aggression, Angst und Scham hervorrufen und ein hohe Anforderungen an die Fähigkeit zu trauern und an das eigenen psychische Fassungsvermögen darstellen. Es verlangt oft viel von einem ab, sich auf solche Mitmenschen einzulassen. Daher sollen besonders die unwillkürlichen und gewohnten Einstellungen gegenüber den Patientinnen, so genannte Gegenübertragungen, in dieser Fortbildung wahrgenommen und systematisch reflektiert werden können. Psychoanalytische Psychosen Therapie fördert das Verständnis solcher innerer Haltungen und erleichtert dadurch den täglichen Umgang mit dieser schwierigen und faszinierenden Gruppe von Patienten. Die dafür notwendigen theoretischen Grundlagen werden ausgehend von den Überlegungen Freuds umfassend dargestellt. Weiter kommen auch die notwendigen technischen Modifikationen der Psychotherapie zur Sprache und werden aus den verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Klinische Verläufe und Randgebiete tragen zu einer Vertiefung des theoretischen und praktischen Wissens auf diesem Gebiet bei.

Kasuistikseminar
Die Präsentation eines eigenen Behandlungsfalls vor ein Gruppe von Psychoanalytikern ist eine bewährte Methode des kollegialen Austauschs. Kasuistikseminare stellen – anders als Gruppensupervisionen, wo es mehr um die Reflexion der eigenen Technik geht - spezifische Aspekte der behandelten Patienten in den Mittelpunkt, um deren besseres Verständnis sich die Gruppe bemüht. Die Beachtung der Übertragung bzw. der Gegenübertragung spielt dabei selbstverständlich eine zentrale Rolle. Das dadurch entwickelte vertiefte Verständnis wirkt sich erfahrungsgemäß in positiver Weise auf die weitere Behandlung aus.
Im Rahmen der Fortbildungsreihe Psychoanalytische Psychosentherapie bieten die Kasuistikseminare die Möglichkeit, eigene Erfahrungen in der Behandlung von schwer gestörten Patienten sowohl mit der Theorie als auch mit den Erfahrungen und Einfällen von Kollegen zu verknüpfen. Dies soll für die Vorstellenden und für die anderen Gruppenteilnehmer in erster Linie eine Anregung zum Nachdenken sein und zur Integration bisher nicht berücksichtigter Aspekte des Patienten wie auch des eigenen Erlebens dienen.
Hinweise zur Fallpräsentation: Es hat sich als günstig herausgestellt, dass die Vorstellung des Patienten/der Patientin, deren Gestaltung dem/der Präsentierenden frei steht, nicht viel mehr als 15 Minuten in Anspruch nimmt. Inhaltlich wichtig sind Anlass und Modalitäten des Erstkontaktes, kurze Anamnese und Überblick des bisherigen Therapieverlaufs. In weiterer Folge soll danach ein Ausschnitt aus der laufenden Therapie vorgestellt werden, bei dem die Interaktion von Patient und Behandler deutlich wird. Ein Gedächtnisprotokoll einer Stunde in schriftlicher Form, die nach dem Seminar von den Teilnehmern wieder zurückgegeben wird, hat sich zu diesem Zweck als hilfreich erwiesen, ist aber nicht obligatorisch. Wenn für den Fallvorstellenden eine bestimmte Fragestellung wichtig ist, kann diese der Gruppe vorgelegt werden. Es versteht sich von selbst, dass das gesamte Fallmaterial von allen Gruppenteilnehmern mit absoluter Diskretion zu behandeln ist!