Psychoanalytisch orientierte Traumabehandlung 2018/2019

Fortbildung für PsychoanalytikerInnen, PsychoanalytikerInnen i.A.u.S., PoP PsychotherapeutInnen, PoP PsychotherapeutInnen i.A.u.S., PsychotherapeutInnen anderer Schulen, Klinische PsychologInnen, ÄrztInnen mit PSYIII-Diplom

Ziel dieser Fortbildung ist es, den Beitrag der Psychoanalyse für die Behandlung von (schwer) Traumatisierten zu bestimmen.
In 10 Modulen mit je 8 AE werden grundlegende Begriffe und Konzepte dargestellt. Der Schwerpunkt liegt in der klinischen Darstellung (Fallbesprechungen, Rollenspiele) und in einer plastischen Vermittlung der Inhalte mittels Film und Literatur.

In jedem Modul werden 6 AE der Theorie bzw. Klinik gewidmet und jeweils 2 AE sind für Fallsupervisionen reserviert.

Bei/vor jeder Fortbildung erhalten die TeilnehmerInnen ein Skriptum der Vortragenden.

Die Inhalte der einzelnen Module sind weiter unten kurz dargestellt.

Termine:
22.09.18, 06.10.18, 10.11.18, 01.12.18, 19.01.19,
23.02.19, 30.03.19, 27.04.19, 18.05.19, 15.06.19
Samstag jeweils 09.00 -16.30 Uhr
 

Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/3, 1010 Wien

Leitung der Fortbildung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till

Weitere Vortragende: Fritz Lackinger, Karin Lebersorger, Sonja Wohlatz

Teilnehmerzahl: 15-20 Personen

Teilnahmegebühr:  € 1.350,00

Anmeldung: Anmeldeformular
 

Anmeldefrist: 31.07.18

Inhalte der einzelnen Module
 

Modul 1: 22.09.2018
Einführung in die Psychotraumatologie
Leitung: Bettina Jordan, Wilhelm Burian, Wolfgang Till
Nach einer Vorstellungsrunde, sehen wir dieses Modul als eine allgemeine Einleitung mit Präsentation und Diskussion der allgemein gebräuchlichen Definitionen von Theorie und Praxis der Psychotraumatologie.
 

Modul 2: 06.10.2018
Psychoanalytische Traumatheorien
Leitung: Fritz Lackinger
Das Trauma war in der Entwicklung der Freud’schen Lehre von Beginn an ein zentrales Thema. Die Aufgabe der sogenannten „Verführungstheorie“ durch Freud ermöglichte die Entdeckung der infantilen Sexualität und des Ödipuskomplexes. Ferenczi war der erste, der das Trauma als Beziehungsereignis beschrieb und damit vielfältige Perspektiven auf die Wirkung infantiler Traumata für die Entwicklung der psychischen Strukturen eröffnete. In jüngerer Zeit werden Beziehungstraumata mit der Verstärkung paranoid-spaltender Mechanismen und mit der Blockierung von Mentalisierungs- und Symbolisierungsprozessen verbunden.
Das Modul versucht einen Überblick über diese Theorieentwicklung zu geben und anhand von Beispielen die klinische Brauchbarkeit von theoretischen Konzepten zu untersuchen.

Modul 3: 10.11.2018
1. Teil: Grundlagen von PoP in der Traumabehandlung
Leitung: Wilhelm Burian
Stützende und interpretierende Interventionen in der psychoanalytisch orientierenden Behandlung.
Einleitung der Behandlung und das Setting.
2. Teil: Psychobiologie des Traumas
Leitung: Fritz Lackinger
Die kognitiven Neurowissenschaften haben in den letzten 20 Jahren eine Unzahl von neuen neurobiologischen und kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengetragen, die auch die psychoanalytischen Konzepte des Traumas herausfordern. In dem Teil dieses Moduls, der diesem Thema gewidmet ist, werden die zentralen Befunde dieser Forschung vorgestellt und ihre Relevanz für das psychoanalytische Denken untersucht. An Hand eines kurzen Beispiels wird gefragt, was die klinisch-praktische Bedeutung dieser Debatten ist.

Modul 4: 01.12.2018
Trauma – Übertragung, Gegenübertragung
Leitung: Wolfgang Till
In diesem Modul wird - sowohl theoretisch als auch anhand von Fällen/Fallvignetten - thematisiert, wie Traumatisierungen in speziellen Übertragungs-Gegenübertragungskonstellationen ihren Niederschlag finden können. Traumatisierungen können so besser verstehbar und bearbeitbar werden; weiters sollen die speziellen Herausforderungen für die Gegenübertragung, die die Arbeit mit Traumatisierten oft bedeutet, diskutiert werden.

Modul 5: 19.01.2019
Traumatisierung durch Krieg und Verfolgung
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan
Am Beispiel des Filmes <Hitlerjunge Salomon> (Originaltitel in Europa) von Agneshka Holland erleben wir die Identitätsentwicklung von Sally. Diese Entwicklung beginnt im Film mit der Trennung von seiner Familie, über seine sowjetische Umerziehung und seinen Weg als „Ost-Deutscher“ in die HJ und endet mit dem Wiederfinden seines Bruders und seiner Übersiedlung nach Israel. Die Auswirkungen dieser traumatischen Veränderungen auf seine Identität werden erörtert.

Modul 6: 23.02.2019
Massives Trauma: Holocaust
Leitung: Bettina Jordan, Wilhelm Burian
Der Holocaust als historische Katastrophe verursachte Extremtraumatisierungen, kollektives Trauma, transgenerationale Übertragung u.v.a. Das Phänomen Holocaust erforderte die Entwicklung von Theorien sowie den Versuch angemessene Behandlungsangebote zu entwickeln.
In diesem Modul werden wir uns anhand der autobiographischen Graphic Novel, „Zweite Generation, was ich meinem Vater nie gesagt habe“ von Michel Klichka, Egmont Verlag, 2014, mit einer sehr persönlichen Geschichte beschäftigen. Wir werden die Folgen und Auswirkungen in der 1. Generation und in der 2. Generation erörtern.

Modul 7: 30.03.2019
Behandlung traumatisierter Kinder
Leitung: Karin Lebersorger
Vorstellung verschiedener Kategorien von Trauma im Kindesalter, Psychodynamik der altersspezifischen Abwehr- und Verarbeitungsmöglichkeiten, transgenerationale Weitergabe von Traumata, traumatisierende Übertragung in ihrer Bedeutung für die Übertragung-Gegenübertragungsdynamik.
Anhand klinischer Fallvignetten werden die psychotherapeutische Arbeit mit Kindern, Eltern und Bezugspersonen dargestellt sowie behandlungstechnische Fragen erörtert.

Modul 8: 27.04.2019
Sexueller Kindesmissbrauch
Leitung: Sonja Wohlatz, Wolfgang Till
Historischer Überblick psychoanalytischer  Zugänge - Theorien und Kontroversen. Ausgewählte Beispiele aus der klinischen Praxis.
- Besondere Aspekte des sexuellen Missbrauchs durch Familienangehörige (Bindungstrauma)
- Sexuelle Gewalt an Kindern in Institutionen
Welche Folgen gibt es für die psychosexuelle Entwicklung und Spätfolgen im Bereich der Ich-Funktionen, der Abwehrmechanismen und der Objektbeziehungen?
Was sind die Anforderungen an die psychoanalytische Therapie mit sexuell traumatisierten Patienten?

Modul 9: 18.05.2019
Akuttraumatisierungen
Leitung: Wolfgang Till
Akuttraumatisierungen sind in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion sehr präsent. Dabei werden meist möglichst frühzeitige therapeutische Hilfestellungen aus präventiven Überlegungen heraus empfohlen. Es soll hier versucht werden die innere Situation akut Traumatisierter psychoanalytisch zu verstehen und zu überprüfen, inwieweit psychoanalytisches Handeln in diesen Situationen in modifizierter Weise möglich ist.
Methoden: Erarbeiten der Theorie, Rollenspiel, ev. Fallarbeit.
 

Modul 10: 15.06.2019
Abschluss des Lehrgangs
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till
In diesem Modul wird es eine Zusammenfassung und Zusammenschau der Inhalte dieses Curriculums geben. Insbesondere soll die Frage von Möglichkeiten und Grenzen psychoanalytisch orientierter Behandlung Traumatisierter diskutiert werden, also wann eine derartige Behandlung indiziert ist und wann nicht? Überdies wird es auch Raum und Zeit geben, um die Zusammenarbeit der Gruppe abzuschließen.

Supervisionen
Bei jedem Modul (2 AE) wird - je nach Maßgabe in ein oder zwei Gruppen – ein Fall eines/er TeilnehmerIn über die Arbeit mit einem/er traumatisierten PatientIn besprochen.
SupervisorInnen sind die LehrgangleiterInnen:
Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Wolfgang Till

Vortragende

Wilhelm Burian, Dr.
Psychoanalytiker (WPV/IPV), Facharzt f. Psychiatrie u. Psychotherapeutische Medizin, Lehranalytiker, Ausbildungsleitung Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie an der Wiener Psychoanalytischen Akademie.
Arbeitsschwerpunkte: Klinik der Psychoanalyse, Psychotherapie der Sucht, Trauma , Psychoanalyse und Geschichte (Politik). Lehr - und Publikationstätigkeit zu diesen Themen.

Bettina Jordan, Dr.in
Psychoanalytikerin (WPV/IPA), FÄ für Psychiatrie u. Psychotherapeutische Medizin. Vormals stellv. ärztliche Leiterin der Ambulanz „Esra“.
Arbeitsschwerpunkte: Klinik der Psychoanalyse, Trauma, psychoanalytischer Input im Rahmen verschiedener Institutionen des psychosozialen und Gesundheitsbereichs, Sprache und Mehrsprachigkeit.

Friedrich Lackinger, Priv.-Doz. Dr.
Klinischer- und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (Psychoanalyse WAP/IPA) in freier Praxis, Lehranalytiker, dzt. Vorsitzender des WAP.
Arbeitsschwerpunkte: psychoanalytische Theorie , Wissenschaftstheorie, Forensik und Delinquenz, Trauma, TFP.

Karin J. Lebersorger, Dr.in
Klinische- und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (WPV; IPA) und Supervisorin. Standortleiterin des Instituts Nord des Instituts für Erziehungshilfe (Child Guidance Clinic) Wien, Mitarbeiterin der Down-Syndrom Ambulanz der Krankenanstalt Rudolfstiftung, in freier Praxis tätig, Lektorin an der Wiener Psychoanalytischen Akademie und der FH Campus Wien.
Publikationen zu den Themen Entwicklungspsychologie, Erziehung, Psychoanalyse, Psychotherapie, Reproduktionsmedizin, Behinderung, Down Syndrom.

Wolfgang Till, DDr.
Psychotherapeut (Psychoanalyse WPV/IPV, Integrative Gestalttherapie ÖAGG), Klinischer und Gesundheitspsychologe, Jurist. Lehrtherapeut für Integrative Gestalttherapie und für PoP.
Arbeitsschwerpunkte: Psa. Psychotherapie, Krisenintervention (insbes. eine psa. Sicht von KI), Suizidologie, Sexualwissenschaft. Lehr- und Publikationstätigkeit zu diesen Themen.

Sonja Wohlatz, Dipl.Psych.
Psychotherapeutin (PoP, Gruppenpsychoanalyse), Klinische und Gesundheitspsychologin.
In freier Praxis tätig, langjährige Mitarbeiterin und Geschäftsführerin der Beratungsstelle “Tamar".
Arbeitsschwerpunkte: Sexueller Mißbrauch, frauenspezifische Psychotherapie, Prozessbegleitung.