Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie bei Borderline-Störungen

Workshop-Reihe der Wiener Psychoanalytische Akademie

Die Behandlung von Borderline-Störungen gilt zu Recht immer noch als eine der größten Herausforderungen in der Psychotherapie. Häufig finden wir mit den etablierten Methoden nicht das Auslangen. Psychotherapien mit schwer persönlichkeitsgestörten Patienten enden sehr häufig in unfruchtbaren Wiederholungszwängen und Therapieabbrüchen, manchmal auch in psychiatrischen Hospitalisierungen oder gar im Suizid.

Angeboten werden vier grundlegende Workshops, in denen die speziellen Probleme in der Therapie von Borderline-Patienten theoretisch reflektiert und der psychoanalytische Umgang damit praxisnahe behandelt werden. Ausgehend von den Fallstricken der psychoanalytischen Diagnostik und Indikationsstellung werden die notwendigen Rahmenbedingungen für solche Behandlungen und die Übertragungsdynamik in den verschiedenen Therapiephasen eingehend erörtert und in Rollenspielen geübt. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, eine kontinuierliche Supervisionsgruppe zur Besprechung von Borderline-Therapien ins Leben zu rufen.

Seminarleiter: Stephan Doering, Fritz Lackinger (Projektleiter)
Teilnahmegebühr: € 710.- (für alle vier Workshops, 32 AE)
Anmeldung bis 30. Mai 2018: Anmeldeformular

1. Workshop
Grundlagen für die Behandlung von Borderline-Patienten
Zeit: 30. Juni 2018, 9.30 - 17.30 Uhr (8 AE)
Ort: Salzgries 16/3, 1010 Wien, Seminarraum 6
Workshopleitung: Priv.-Doz. Fritz Lackinger

Die Psychoanalysen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tiefgehend mit den Schwierigkeiten in der Behandlung von Borderline-Patienten auseinandergesetzt. Auf dem Hintergrund umfassender klinischen Erfahrung wurden u.a. von Otto Kernberg und seiner New Yorker Forschergruppe zahlreiche Ansätze integriert und die psychoanalytische Theorie der Persönlichkeitsstörungen weiterentwickelt. Darauf aufbauend haben sie diagnostische und klinische Schlussfolgerungen gezogen, die den Umgang mit diesen Problemen in Borderline-Therapien erleichtern. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die strukturelle Pathologie dieser Patienten in der spezifischen Art ihrer Übertragungsbeziehung reinszeniert. Der Workshop bietet einen Überblick über die wissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen der modernen psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie sowie über die wesentlichen Elemente der darauf aufbauenden Behandlungsmethode und illustriert Aspekte ihrer praktischen Anwendung in der Supervision von Fällen der Teilnehmer_innen.

2. Workshop
Diagnose, Indikation und Rahmenbedingungen der Borderline-Therapie
Zeit: 10. November 2018, 9.30 - 17.30 Uhr (8 AE)
Ort: Salzgries 16/3, 1010 Wien, Seminarraum 6
Workshopleitung: Univ.-Prof. Stephan Doering

Der kategorialen Diagnostik des ICD-10 wird der dimensionale Ansatz der psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie gegenübergestellt. Die Durchführung des strukturellen psychodynamischen Interviews wird mittels Videosequenzen und Rollenspielen praktisch erfahrbar. Daran schließ die "Übersetzung" der diagnostischen Informationen in eine psychoanalytisch fundierte Behandlungsindikation an. Bevor die Therapie aber beginnen kann, müssen nun mit dem Patienten die Rahmenbedingungen besprochen und vereinbart werden: Eine in der Borderline-Behandlung entscheidende, aber oft schwierige Aufgabe.
Durch die Therapievereinbarung wird erst die Grundlage geschaffen, Beziehungskonflikte und Störungen der Impulskontrolle in einem sicheren Rahmen zu reflektieren und zu bearbeiten. Typische Themen der Vereinbarung sind der Umgang mit Suizidalität, Selbstverletzung, Suchtmittelmissbrauch und Tendenzen, die Therapie abzubrechen. Auch die Besonderheiten der Vertragsvereinbarung im stationären Rahmen werden besprochen.

3. Workshop
Strategie, Taktik und Technik in der Borderline-Therapie
Zeit: 19. Jänner 2019, 9.30 - 17.30 Uhr (8 AE)
Ort: Salzgries 16/3, 1010 Wien, Seminarraum 6
Workshopleitung: Priv.-Doz. Fritz Lackinger

Während in der ersten Phase der Borderline-Behandlung häufig Konflikte um das Setting und die Einhaltung der Therapievereinbarungen im Vordergrund stehen, geht es in der mittleren Phase zentral um die Arbeit an den typischen Übertragungs- und Gegenübertragungsmustern der Patient_innen. Anhand dominanter Objektbeziehungsdyaden werden sie identifiziert, therapeutisch exploriert und – nach wiederholter Durcharbeitung – psychisch integriert. Dazu dienen die Behandlungstechniken der Klärung, der taktvollen Konfrontation und der Deutung. Der Umgang mit Behandlungshindernissen, Widerstand und Rückfallen wird in Rollenspielen geübt. In der späten Therapiephase beginnt sich die Identität der Patienten auf einem besser integrierten Niveau zu stabilisieren. Parameter für die Bewertung von Behandlungsfort- bzw. -rückschritten werden diskutiert und die Bearbeitung des Therapieendes erörtert.

4. Workshop
Schwierigkeiten durch Komorbiditäten und institutionelle Bedingungen
Zeit: 16. März 2019, 9.30 - 17.30 Uhr (8 AE)
Ort: Salzgries 16/3, 1010 Wien, Seminarraum 6
Workshopleitung: Univ.-Prof. Stephan Doering

In diesem Workshop geht es um Modifikationen, die sich aus spezifischen Behandlungssettings (ambulant vs. stationär), aus bestimmten Komorbiditäten (Narzissmus, Trauma, Delinquenz) oder aus der Kombination mit anderen Behandlungsverfahren (Traumatherapie, Skilltraining, Psychoedukation, Pharmakotherapie) ergeben.
Ein weiterer Aspekt ist, wie mit notwendigen Abweichungen von der technischen Neutralität flexibel und erfolgreich umgegangen werden kann. Auch die Anwendung von übertragungsfokussiertem Arbeiten in therapeutischen Teams wird erörtert.
Weiters können alle Themen der früheren Workshops noch einmal aufgegriffen und vertieft werden.